Gründungszuschuss Informatiker - Problem leicht vermittelbar

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addy_42
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Gründungszuschuss Informatiker - Problem leicht vermittelbar

#1

Beitrag von addy_42 » Mi 5. Jun 2019, 00:40

Hallo zusammen,

ich bin gerade dabei einen Businessplan für einen Gründungszuschuss vom Arbeitsamt fertigzustellen. Aktuell kämpfe ich noch damit gute Argumente zu finden, warum ich nicht vermittelbar bin.

Ich habe überlegt meine eher befriedigenden Noten aus dem Studium heranzuziehen und zu betonen, dass ich, bis auf meine letzte Anstellung über die letzten 9 Jahre, bisher sonst keine erfolgreichen Bewerbungen hatte aufgrund von zu schlechten Noten.
Was haltet ihr davon? Oder wisst ihr was erfolgversprechenderes? Vlt. ein Informatiker hier bei dem es schon geklappt hat?

Lieben Dank im voraus und beste Grüße!

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Günter
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Re: Gründungszuschuss Informatiker - Problem leicht vermittelbar

#2

Beitrag von Günter » Mi 5. Jun 2019, 01:23

:willkommen:

Ich sag´s mal etwas drastisch. Du willst dich selbstständig machen. Du willst dich selbst vermarkten und deinen Kunden klarmachen, dass du besser bist als deine Mitbewerber.

Und das beginnst du mit den Worten ich bin zu dämlich um als Angestellter zu arbeiten, keiner will mich.

Denk mal nach, würdest du dir einen Auftrag geben?

Entweder du gehst mit der Einstellung ran, ich hab DIE Geschäftsidee, ich weiß wie es geht, meine Zahlen sind super, oder du läßt es und ersparst dir die Pleite.
Ist der einzige Existenzgrund für Milliarden Menschen nur die Befriedigung der Profitgier der Besitzenden? Oder haben diese Menschen auch ein Anrecht auf ein menschenwürdiges Leben?

Ich könnte freundlich, aber wozu? :6:

addy_42
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Re: Gründungszuschuss Informatiker - Problem leicht vermittelbar

#3

Beitrag von addy_42 » Mi 5. Jun 2019, 01:45

Vielen dank für das rasche und teils witzige Feedback Günter! :)

Ich spinns mal weiter.....

-Ich war "schlecht" im Studium und deshalb ist es schwer eine Stelle zu bekommen
-Jetzt bin ich inzwischen spitze, aber die meckern immernoch wegen den Noten
-Ich habe eine super Geschäftsidee
-Guter Businessplan liegt vor und in dem zeige ich dass ich einen GZ brauche weil: Anfangs viele Investitionen, Kundenakquise und Vorbereitungen, nicht direkt an Projekten arbeiten können=>rote Zahlen. Deshalb erst mittelfristig an Projekten und Umsatz ergibt sich langsam. GZ läuft aus und ich decke Lebenshaltungskosten selbstständig und erhalte erfolgsversprechende Gewinne. Läuft!

Ich denke insgesamt ist mein bisheriger Businessplan sehr gut (bedeutet auch es läuft nicht gleich super, sondern ich brauche auch den GZ für den Start). Einreichen werde ich ihn so oder so. Fragt sich nur wie ich im beiliegenden Formular den GZ am besten begründe, sodass sich die Chancen auf Bewilligung möglichst erhöhen.

Würdest du einfach rein nüchtern mit den Zahlen argumentieren? Auf "nicht leicht vermittelbar" garnicht weiter rumreiten?

Man liest auch dass es auch in so Fällen wie meinem genehmigt wurde, aber eher selten afaik. Manche sagen sie bewilligen teilweise auch weil jemand, der ein unternehmen gründet, auch Leute einstellen kann und somit Leute aus der Arbeitslosigkeit holen könnte. Ich könnte es auch so anpassen, dass ich ein Unternehmen gründe und Leute einstellen will.

Mein Eindruck von der Betreuerin ist super. Die Chemie passt. Sie meinte zwar mal es sei schwierig für mich ein GZ zu bekommen, aber mit allem ist sie sehr kooperativ, extrem unterstützend und zuvorkommend. Sie schließt es somit nicht gleich aus (das es schier ausgeschlossen ist, ließt man aber im Web. Warum sagt sie es nicht?). Nur deshalb habe ich mit dem Businessplan auch angefangen. Entscheiden tut sie es aber nicht!

Olivia
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Re: Gründungszuschuss Informatiker - Problem leicht vermittelbar

#4

Beitrag von Olivia » Mi 5. Jun 2019, 08:53

Gegenüber dem Arbeitsamt ist die Argumentation, dass man zu dämlich ist um als Angestellter zu arbeiten, und keiner ihn will, jedoch zielführend. Dort beurteilen Sachbearbeiter, wieso ein Gründungszuschuss gezahlt werden soll und keine Arbeitsvermittlung stattfndet. Arbeitsvermittlung ist billiger als der Gründungszuschuss, also müssen gute Argumente her. Dem Arbeitsamt muss klargemacht werden, dass Arbeitsvermittlung eine Sackgasse ist und die Gründung der Ausweg.

Ich sag mal, der Gründungszuschuss ist doch eine Kann-Leistung geworden. Daher muss man möglichst viel Argumente dafür bringen. Aus Sicht des Amtes wäre sicher sinnvoll:

- eine lange Argumentation, wieso das Studium mehr oder minder in die Hose gegangen ist und deshalb keine Chancen mehr am Arbeitsmarkt für SV-pflichtige Arbeitsplätze bestehen
- Belege durch Dutzende, evtl. Hunderte Ablehnungsschreiben von Arbeitgebern
- Nachweis der erfolglosen Bewerbungsbemühungen
- Prognoseeinschätzung, wieso sich an diesem Zustand nichts ändern wird
- Beschreibung der gesundheitlichen Auswirkungen von permanenten Absagen
- Businessplan für Geschäftsidee
- Teilnahmebestätigung Gründercoaching Deutschland o.ä.
- Nachweis Gründerkapital
- Befürwortung des Gründungsvorhabens durch Fachkundige Stelle (Handelskammer, IHK, Steuerberater ...)
- Rentabilitätsrechnung, dass das Gründungsvorhaben in zwei Jahren (also nach 24 Monaten) den Bezug überwindet
- Prognoseeinschätzung, dass der Gründungszuschuss das Gründungsvorhaben nachhaltig unterstützt
- Nachweis Coaching für Selbständige
- Angebot, das Gründungsvorhaben persönlich im Arbeitsamt vorzustellen

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Re: Gründungszuschuss Informatiker - Problem leicht vermittelbar

#5

Beitrag von Koelsch » Mi 5. Jun 2019, 08:55

Dann nicht rumeiern. Realistisch die Zahlen darstellen, also am Anfang noch rot und das wandelt sich dann in Richtung deutlich schwarz. Die Möglichkeit Personal einzustellen, würde ich als Langziel durchaus erwähnen, aber noch nicht mit einem Datum festnageln. Das wäre unrealistisch.
Frei nach Hanns-Dieter Hüsch, ist der Kölner überhaupt zu allem unfähig. Er weiß nix, kann aber alles erklären.
Deshalb kann von mir keine Rechtsberatung erfolgen, auch nicht per e-mail oder PN.

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Re: Gründungszuschuss Informatiker - Problem leicht vermittelbar

#6

Beitrag von marsupilami » Mi 5. Jun 2019, 09:09

Vom Grundsatz her ist meine Einstellung wie die von Günter:
addy_42 hat geschrieben:
Mi 5. Jun 2019, 01:45
-Ich war "schlecht" im Studium und deshalb ist es schwer eine Stelle zu bekommen
-Jetzt bin ich inzwischen spitze, aber die meckern immernoch wegen den Noten
Unbedingt weglassen!
Das verschreckt nicht nur die Entscheider in Firmen, sondern auch im Jobcenter.

Nächster Punkt dazu: willst Du - überspitzt formuliert - Deine Kunden volllabern mit schlechten Noten während des Studiums oder willst Du denen Lösungen für ihr Problem präsentieren?

Und noch was "Küchenpsychologie":
Du ziehst Dich a) damit selber runter, machst Dich selber schlecht und hast damit b) eine gute Ausrede, wenn's mit der Selbstständigkeit nicht so klappt.


Du bist dabei, einen Geschäftsplan zu erstellen.
Hast Du auch an einen Finanzplan für die nächsten 4,5 Jahre gedacht?
Du musst eh einen "Finanzplan" - genannt vEKS über die normalerweise nächsten 6 Monate - für das JC erstellen.
Warum also nicht gleich weiterdenken an die folgenden Bewilligungszeiträume, bzw. Jahre, wenn Du tatsächlich nach 2, 3 Jahren Null auf Null rauskommst oder gar in die echte Gewinnzone kommst?

Den Finanzplan regelmäßig überprüfen - musst Du eh, denn das JC will ja auch eine aEKS von Dir - und anpassen.

Ganz wichtig: ordentliche Buchhaltung.
Um die kommst Du nicht drum herum.
Signatur?
Muss das sein?

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Re: Gründungszuschuss Informatiker - Problem leicht vermittelbar

#7

Beitrag von Olivia » Mi 5. Jun 2019, 12:01

Gegenüber dem Arbeitsamt geht es um den Gründungszuschuss. Den bekommt man am ehesten, wenn dem Sachbearbeiter verdeutlicht wird, dass die Gründung eine sinnvolle Alternative zur Festanstellung ist.

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Re: Gründungszuschuss Informatiker - Problem leicht vermittelbar

#8

Beitrag von Günter » Mi 5. Jun 2019, 12:22

Nö, denn sollte es dann geben, wenn man nachweisen kann, mit der Selbstständigkeit komme ich aus dem Bezug, oder zumindest verringert man die Bedürftigkeit spürbar.

Dann ist das Argument, mich stellt keiner ein, weil ...... aber als Selbstständiger bin ich der Reißer wohl eher kontraproduktiv.
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Ich könnte freundlich, aber wozu? :6:

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Re: Gründungszuschuss Informatiker - Problem leicht vermittelbar

#9

Beitrag von Olivia » Mi 5. Jun 2019, 12:34

Es droht immer der Stempel "abgelehnt", weil der Gründungszuschuss in eine Kann-Leistung umgewandelt wurde.

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Re: Gründungszuschuss Informatiker - Problem leicht vermittelbar

#10

Beitrag von addy_42 » Fr 7. Jun 2019, 01:31

Vielen Dank an alle soweit!!!

Ich habe meinen Businessplan nochmal gründlich überarbeitet. Ich habe diesen mit dem Begründungsschreiben hier angehängt.

Ich wäre euch seeeehr dankbar wenn ihr mir ein Feedback/Kritik geben könntet. Auch eine Einschätzung ob eine Chance auf Bewilligung besteht wäre spitze.

Vielen Dank im voraus!
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.

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Re: Gründungszuschuss Informatiker - Problem leicht vermittelbar

#11

Beitrag von kleinchaos » Fr 7. Jun 2019, 06:35

Liest sich soweit gut.


Frage am Rande: warum bist du nicht mehr bei Vaters Firma angestellt?
"Freiheit nur für die Anhänger der Regierung, nur für Mitglieder einer Partei - mögen sie noch so zahlreich sein - ist keine Freiheit. Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden." Rosa Luxemburg

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Re: Gründungszuschuss Informatiker - Problem leicht vermittelbar

#12

Beitrag von Koelsch » Fr 7. Jun 2019, 07:36

Finde auch nichts zu bemerken.
Frei nach Hanns-Dieter Hüsch, ist der Kölner überhaupt zu allem unfähig. Er weiß nix, kann aber alles erklären.
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Re: Gründungszuschuss Informatiker - Problem leicht vermittelbar

#13

Beitrag von Olivia » Fr 7. Jun 2019, 08:19

Top! :Daumenhoch:

Besonders gut ist Seite 10 im Businessplan. Die Behörde sieht daran, dass ein Gründungsberater das Vorhaben beraten hat und dass die Erträge langsam steigen sowie den Bedarf nach einiger Zeit decken. Die positive Tendenz ist vorhanden und dem Gründungszuschuss sollte eigentlich nichts im Wege stehen.

Berichte doch mal, wie es weitergeht und wie die Gründung dann anläuft, wenn Du magst.

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Re: Gründungszuschuss Informatiker - Problem leicht vermittelbar

#14

Beitrag von addy_42 » Fr 7. Jun 2019, 10:06

Guten Morgen an Alle,

wow, euer Feedback erleichtert. Vieeeelen Dank *happy* :)

@kleinchaos:

Der Grund warum ich nicht mehr bei meinem Vater arbeite.....überwiegend weil ich mein eigener Herr sein will (möglichst Arbeitsinhalt und Arbeitsweise selbst bestimmen). Die Firma war mir auch nicht innovativ genug und wirtschaftlich liefs schonmal besser.

@Olivia:

Ich werde berichten. V.a. ob der GrüZu genehmigt wird. Wär schön wenn es auch anderen hilft!
Zuletzt geändert von addy_42 am Fr 7. Jun 2019, 10:39, insgesamt 2-mal geändert.

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Re: Gründungszuschuss Informatiker - Problem leicht vermittelbar

#15

Beitrag von addy_42 » Fr 7. Jun 2019, 10:08

@Koelsch

Du bist ja Admin. Ich würde die Dokumente gerne in einem neuen Thread posten. Duplicates unerwünscht? Oder kann ichs hier auch so drin lassen?

Habe einen neuen Thread erstellt http://www.alg-ratgeber.de/viewtopic.php?f=26&t=24816

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Re: Gründungszuschuss Informatiker - Problem leicht vermittelbar

#16

Beitrag von Koelsch » Fr 7. Jun 2019, 11:42

Häng die da ruhig noch mal dran, Anhänge verschieben ist nicht so leicht.
Frei nach Hanns-Dieter Hüsch, ist der Kölner überhaupt zu allem unfähig. Er weiß nix, kann aber alles erklären.
Deshalb kann von mir keine Rechtsberatung erfolgen, auch nicht per e-mail oder PN.

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Re: Gründungszuschuss Informatiker - Problem leicht vermittelbar

#17

Beitrag von Olivia » Fr 7. Jun 2019, 11:44

Vielleicht noch eine Frage in die Runde. Lt. Prognose aus dem Businessplan wird ja mit relativ rasch und stark steigenden Erträgen gerechnet (was an sich ja gut ist). Woran ist die Bewilligung des Gründungszuschusses nun geknüpft? Wenn der Gründungszuschuss daran geknüpft ist, dass eher "wackelige" Selbständigkeiten unterstützt und angeschoben werden sollen, so könnte man darüber nachdenken, die Variante des Businessplans für das Arbeitsamt eventuell noch etwas weiter nach unten anzupassen und einen Erläuterungsbogen zu schreiben, dass der Gründungszuschuss die Nachhaltigkeit der Gründung sichert und das Gründungsvorhaben stabilisiert. Der Entscheidungsträger im Arbeitsamt kann dann sein pflichtgemässes Ermessen dahingehend eventuell noch besser ausüben und gegenüber seinem Vorgesetzten rechtfertigen, dass die Vergabe des Gründungszuschusses in dem hier vorliegenden Fall eben gerechtfertigt ist.

Anders gefragt, kann eventuell die Gefahr bestehen, dass bei einer (zu) positiven Prognose das Arbeitsamt den Gründungszuschuss ablehnt mit der Begründung, dass die Gründung prognostisch derart positiv ist, dass sie auch ohne Gründungszuschuss gelingt?

Wie gesagt, ich habe im Hinterkopf, dass der Gründungszuschuss von einer Muss- in eine Kann-Leistung umgewandelt wurde (war glaube ich so um 2010 herum). Danach sind die Bewilligungszahlen um 85% nach unten gerauscht. Es muss also einen Grund geben, auf den sich das Arbeitsamt berufen kann, um den Gründungszuschuss abzulehnen.

In die Begründung sollte gegenüber dem Arbeitsamt vielleicht auch noch rein, wieso der Arbeitsplatz beim Vater nicht (mehr) zur Verfügung steht, sonst wird der Gründungszuschuss für die Selbständigkeit nachher noch abgelehnt mit dem Argument, dass ein Vollzeitarbeitsplatz im väterlichen Betrieb zur Verfügung gestanden hätte und die Bewilligung des Gründungszuschusses allein darum nicht geboten scheint.

Was meiner Ansicht nach auf jeden Fall noch fehlt, ist eine stichhaltige Begründung, warum bei dem eklatanten Fachkräftemangel nicht einfach eine SV-pflichtige Stelle bei irgendeiner Softwarefirma angetreten wird (in diesem Fall würde sich das Arbeitsamt den Gründungszuschuss "sparen" können). Es sollte daher begründet werden, welche Vorteile gerade die Selbständigkeit gegenüber der Fortführung/Aufnahme eines SV-pflichtigen Arbeitsplatzes bietet und wieso die Bewerbung auf einen SV-pflichtigen Arbeitsplatz in der jetzigen Lebensphase gegenüber der angestrebten Selbständigkeit nicht zielführend ist. Denkbar wären hier womöglich auch gesundheitliche Gründe in Form einer Art "psychologischer Hemmung" aufgrund der tendenziell schlechten Zeugnisnoten, die im Kontrast stehen zu der tatsächlichen Arbeitsleistung, wobei letztere aber bei Bewerbungsgesprächen nicht vermittelt werden kann, sondern eben nur auf die Noten geschaut wird. Denkbar wäre auch eine etwaige herabgesetzte Glaubwürdigkeit eines Arbeitszeugnisses aus dem väterlichen Betrieb (Stichwort "Gefälligkeitszeugnis"), die man gegenüber dem Arbeitsamt ins Feld führen könnte, denn ein "Gefälligkeitszeugnis" könnte wiederum die Erfolgschancen von Bewerbungen mindern (ganz unabhängig davon, ob es sich tatsächlich um ein Gefälligkeitszeugnis handelt - wichtig ist die Aussenwahrnehmung durch unbeteiligte Dritte wie eben potentielle Arbeitgeber). Dann könnte man noch auf das Naturell des TE abstellen und begründen, dass sich in den Jahren herausgestellt hat, dass eine selbständige Arbeitsweise vom Typus her eher erfolgversprechend erscheint als das "Korsett" einer Festanstellung, nochzumal im väterlichen Betrieb bestimmt grössere Freiheiten geherrscht haben als in einer x-beliebigen Firma.

Vielleicht können ja Formulierungsvorschläge dazu hier eingestellt werden?

Ich wünsche dem TE nochmals viel Erfolg bei der Bewilligung des Gründungszuschusses und natürlich bei der Gründung! :Daumen: :Daumen: :Daumen:

Ach ja, hier dann noch meine eigene Prognose für die Gewinnentwicklung: Bild und :Buchhalter:

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Re: Gründungszuschuss Informatiker - Problem leicht vermittelbar

#18

Beitrag von Koelsch » Fr 7. Jun 2019, 11:54

Die Frage macht Sinn. Also wirklich noch eine Begründung bringen, warum slebstständig und nicht angestellt. Wobei das Arbeitsamt ja keineswegs die Aufgabe haben sollte, die so-pflichtigen Jobs zu bevorzugen. Tun sie aber gerne mal.

Gründungschzuschuss ist ja, wenn man man fies sein will, nur ein anderer Name für ALG I. Es wird im Grunde ALG I weitergezahlt, die Anspruchsdauer verringert sich dadurch. Nur weil das Kind eben jetzt einen anderen Namen hat, werden keine KV und RV Beiträge mehr gezahlt, und dafür gibt's die € 300 extra, damit man das aus der eigenen Tasche löhnen kann.
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Re: Gründungszuschuss Informatiker - Problem leicht vermittelbar

#19

Beitrag von marsupilami » Fr 7. Jun 2019, 12:00

Jep!
Recht ordentlich!

Trotzdem oder gerade deshalb erlaube ich mir ein paar Anmerkungen.
Einer muss doch was zu Meckern haben. :zwinker:


Zum Business-Plan:
1 Zur Gründerperson: lass die Rahmen weg! "Lesen" bedeutet ja nicht nur Buchstaben zusammensetzen.
Das Auge liest mit.
Die Rahmen zwingen dem einen oder anderen - nicht allen - unbewußt ein "Kästchen-Denken" auf.
Das ist kein Behörden-Formular mit Kästchen zum Ankreuzen.
Laß dem Auge, den Gedanken des Lesers Freiheit!

2 Zusammenfassung
Diese Entwicklung wird sich in den kommenden Jahren laut internationaler
Marktstudien aber auch nach den Umfragen unter deutschen Unternehmen noch deutlich verstärken.
Darüber hinaus habe ich im Unternehmen meines Vaters eine leitende Rolle eingenommen,
Wie viel Zeit läßt Dir diese bereits vorhandene Aufgabe für Dein eigenes Geschäft? Oder willst Du diese Aufgabe abgeben, beenden?
Fließen da Gelder? Entlohnung?

Musst Du nicht mir, nicht hier im Forum beantworten, aber für Dich darüber nachdenken, ob Du das so stehen lassen willst.
Wenn Du das stehen lassen willst - wegen der Berufserfahrung, dann schränke das auf eine geringfügige Teilzeitbeschäftigung ein, damit Du wirklich mit größt möglicher Kraft und hohem zeitlichem Engagement an DEINEM Geschäft arbeiten kannst.
Sonst kommt a) der Entscheider auf den Gedanken: der braucht keinen Gründungszuschuss, der hat ja einen Job! und b) die Leistungsabteilung auf die Idee nach Einkünften aus einer soz.vers.pfl. Tätigkeit nachzufragen!!

Letzter Absatz der Zusammenfassung: die Kosten für die Entwicklung der Webseite finde ich nicht im Finanzplan wieder.
Egal ob Du das selber machst - dann kostet das Deine Zeit, Deine Arbeitskraft, in der Du keine Kunden akquirieren und/oder Aufträge abarbeiten kannst.
Genauso wenig die Kosten für Einträge in den Portalen.

3 Markt- und Branchenanalyse
Der letzte Satz ist gut und vor allem so wichtig, dass ich da doch noch etwas mehr dazu schreiben würde.
Du wirst also den einen oder anderen workshop besuchen, an relevanten Fortbildungen teilnehmen. 2, 3 Beispiele nennen.
Auch diese Kosten fehlen in dem Finanzplan.
Aktuell z.B. workshop DSGVO, da die Infos per Internet allein nicht ausreichend bzw. eher verwirrend sind.

5 Kundengewinnung
Im Rahmen meiner Kundenakquise werde ich Business-Events (u.a. Veranstalter: blablabla,
bliblibli) besuchen, Kooperationsgespräche mit bestehenden Kontakten führen
Das koschtet!
Fahrtkosten, Übernachtung, Verpflegung.
Genauso die Kosten für An-/Abreise, Übernachtung, Verpflegung für diese Kooperationsgespräche bzw. Verhandlungen.
Jaaaa, mir ist bekannt, dass es Telefon, smartphone und skype gibt. Aber auch das kostet!!
Während meiner Anstellung im Software-Unternehmen meines Vaters konnte ich
Die Anstellung ist also beendet? Das dann bitte bereits mit meinen Gedanken dazu unter Punkt 2 Zusammenfassung abgleichen.

Mir gefällt das Wort "geschäftspolitischen" in diesem Kontext nicht.
Warum nicht schreiben "Während meiner Anstellung im Software-Unternehmen meines Vaters konnte ich auch umfassende Erfahrungen in der Führung eines Geschäftes sammeln. Dazu gehörten unter anderem auch ....."

6 Organisation
"Bei Bedarf werde ich auf mein umfassendes Netzwerk an Business-Kontakten zurückgreifen können, um auch umfangreichere Projekte umzusetzen."
Dranhängen: Sollten sich aufgrund entsprechender Anforderungen (Umfang, Zeit) solche Rückgriffe als erforderlich erweisen, werde ich selbstverständlich versuchen, diese zusätzlichen Kosten vorher einzuplanen und so gering wie möglich zu halten.
Oder so ähnlich.
Diese "Business-Kontakte" - oder auch Sub-Unternehmer? - werden vermutlich nicht umsonst arbeiten.
Die evtl. Kosten tauchen nicht im Finanzplan auf, sollten aber eingeplant werden.

Letzter Satz: Anmietung koschtet.
Im Finanzplan .....


7 Finanzplan
Du willst mir doch nicht weiß machen, dass Du ohne Netz und doppelten Boden arbeitest?
Also: Kosten für externe Datensicherung, egal ob externes Laufwerk, extra Server, Cloud, .... darüber noch mal nachdenken, Kosten eruieren und dort einbringen.
Beim JC dürfen zwar keine Abschreibungen geltend gemacht werden, dann aber höhere Hardwarekosten geltend machen, damit Du was ordentliches hast und notfalls auf ein Ersatz-Gerät zurückgreifen kannst. Denn wenn der Läppie den Geist aufgibt und repariert werden muss, was machst Du solange? Däumchen drehen? Nein, auf ein Zweit-Gerät zurückgreifen und weiterarbeiten!!
Was ist mit Kosten für kostenpflichtige Software-Updates?
Was ist mit Kosten für "Neben-"Software? Z.B. MS Office, Buchhaltungssoftware, ..... und deren - kostenpflichtige - Updates?
Virenschutz? Koschtet. Firewall? Koschtet.

7.1 Umsatz, Rentabilität.
Dort die oben bereits vermissten Positionen unterbringen.

Dann entweder die Tabelle auf 2 Seiten verteilen oder diese Seite im Querformat gestalten.
Die aktuellen, guten, gängigen Textverarbeitungsprogramme bieten alle irgendeine Möglichkeit, innerhalb eines Dokumentes das Seitenformat zu wechseln.
Unter MS Word sich mal über "Abschnittwechsel" informieren, in LibreOffice einen Seitenwechsel von Hand "einfügen", die entsprechende Seite umformatieren. Layout-Programme können das garantiert.
I.d.R. können die entsprechenden guten pdf-maker - also Word in pdf umwandeln - damit umgehen - also den verschiedenen Seitenformaten.
LibreOffice kann das von Haus aus.
Oder diese als extra Dokument gestalten und extra ausdrucken.
Das wird aber garantiert "quick and dirty" wg. der passgenauen Kopf- und Fußzeile bzw. der exakten Seitenzahl in der Fußzeile.


8 Anhänge.
Nur einen einfachen Lebenslauf (also nicht voll ausformuliert) und keine Zeugnisse aus dem Studium (weil die Deiner Meinung nach ja nicht soooo gut sind) sondern nur relevante und gute Arbeitszeugnisse als Beleg für Deine Fähigkeiten und Qualitäten.


Zur Begründung:
Du beantragst einen Gründungszuschuss aufgrund Deiner wirtschaftlichen Verhältnisse - kein Vermögen, keine verpfändbaren Gegenstände.
Desderhalb bekommst Du bei keiner Bank einen Kredit/Darlehen für den Aufbau eines eigenen Geschäftes.
Auch nicht bei den einschlägigen Gründerbanken bzw. deren Konditionen würden Dich in Deinem Lebensplan in einem Maße einschränken, der für Dich nicht vertretbar ist.
Ich freue mich auf die neue Herausforderung und habe die Tragfähigkeit meiner
Existenzgründung ebenfalls durch die fachkundige Stelle (IHK) prüfen lassen. Diese bestätigt
mir, dass der Gründungszuschuss notwendig für die Etablierung meiner Selbstständigkeit ist.
Durch wen denn noch? Entweder benennen oder "ebenfalls" streichen.

Die IHK bestätigt auf gar keinen Fall die Notwendigkeit eines Gründungszuschusses durch das Jobcenter/Arbeitsagentur!!
Dürfen die gar nicht. Die bestätigen die Notwendigkeit einer Gründungs-Finanzierung.
Die bestätigt nur die Tragfähigkeit auf lange Sicht aufgrund des sorgfältig durchdachten und penibel ausgearbeiteten Business- und Finanzplans.

Also:
Ich freue mich auf die neue Herausforderung und habe die Tragfähigkeit meiner Existenzgründung durch eine fachkundige Stelle (IHK) prüfen lassen. Diese bestätigt mir aufgrund meines sorgfältig durchdachten und penibel ausgearbeiteten Business- und Finanzplans die Tragfähigkeit meines Gründungsvorhabens.
(Anmerkung: Kannst Du dem JC/Arbeitsagentur evtl. auf Anforderung ein entsprechendes Schreiben der IHK vorlegen?)
Diese bestätigt mir auch, dass eine Anschubfinanzierung für die Etablierung meiner Selbstständigkeit notwendig ist.

Weiter:
Der Gründungszuschuss würde mich in den ersten sechs Monaten meiner Gründung sehr dabei unterstützen, ein solides Fundament für meine Selbstständigkeit aufzubauen. Die anfänglichen Erträge sind laut Business- und Finanzplan natürlich noch nicht ausreichend, um in der Anlaufzeit meinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Der Gründungszuschuss gewährleistet hierbei die auch die Absicherung der notwendigen Versicherungsbeiträge (Kranken-, Pflege-, Haftpflichtversicherungen) in den ersten sechs Monaten. Anschließend werden die Erträge planmäßig ausreichen, um meinen Lebensunterhalt voll und ganz durch meine freiberufliche Tätigkeit zu verdienen.
Anmerkung: sich nicht auf diese 6 Monate und den "Plan" festnageln lassen!
Sonst streichen die Dir womöglich nach 6 Monaten die Leistungen, weil Du ja gesagt/geschrieben hast: 6 Monate, .... planmäßig....,

Die Fuzzies in Berlin hatten für den Flughafen auch einen Plan und Kostenvoranschlag.
Also.


Ich hoffe, Dir kommen die eine oder andere Anregung sinnvoll vor, um sie umzusetzen.
Und ich hoffe, Dir nicht zu sehr und vor allem nicht persönlich auf die Zehen getreten zu haben.
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Re: Gründungszuschuss Informatiker - Problem leicht vermittelbar

#20

Beitrag von marsupilami » Fr 7. Jun 2019, 12:13

Olivia hat geschrieben:
Fr 7. Jun 2019, 11:44
Was meiner Ansicht nach auf jeden Fall noch fehlt, ist eine stichhaltige Begründung, warum bei dem eklatanten Fachkräftemangel nicht einfach eine SV-pflichtige Stelle bei irgendeiner Softwarefirma angetreten wird (in diesem Fall würde sich das Arbeitsamt den Gründungszuschuss "sparen" können). Es sollte daher begründet werden, welche Vorteile gerade die Selbständigkeit gegenüber der Fortführung/Aufnahme eines SV-pflichtigen Arbeitsplatzes bietet und wieso die Bewerbung auf einen SV-pflichtigen Arbeitsplatz in der jetzigen Lebensphase gegenüber der angestrebten Selbständigkeit nicht zielführend ist.
Hat er doch ausgeführt: Im IT-Bereich wollen die Firmen lieber mit freelancern projektbezogen zusammenarbeiten als fest ein- und anstellen.
Fachkräftemangel hin oder her.

Das ist im Businessplan meiner Meinung nach ausführlich genug dargelegt worden.



Ahhh ja - Prognose für die Chance auf Bewilligung:

Ich vermute mal, das ist von der Gemütsverfassung der Katze des Sachbearbeiters abhängig.
Ist die Katze glücklich, freut sich der Mensch. Oder so ähnlich.

Ernsthaft:
Du hast Dir Hilfe für Business-Plan bei der IHK geholt :Daumenhoch:
Du hast hier um Hilfe gesucht :Daumenhoch: (ich hoffe, wir konnten helfen)

Mehr kannst Du nicht tun.

Aber nach meiner Ansicht nach hat das alles Hand und Fuß und wird positiv beschieden werden.
Punkt.
Basta.
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Re: Gründungszuschuss Informatiker - Problem leicht vermittelbar

#21

Beitrag von addys_kumpel » Fr 7. Jun 2019, 12:49

Guten Tag zusammen,

ich bin "Addys Kumpel" und habe ihm bei seinem Businessplan geholfen, und wollt mich erstmal für euer sehr detailliertes Feedback bedanken. Genau das haben wir uns gewünscht, gerne auch pedantisch auf Details eingehen und auf die Zehen treten. Es soll ja eine runde Sache sein, die voll und ganz überzeugt.
---> das wird alles genau analysiert und eingearbeitet. VIELEN DANK schonmal dafür! Da sind sehr sehr viele wertvolle Infos und Feedbacks dabei und die nehmen wir uns sehr zu Herzen, DANKE!


Zum Background: Ich habe vor ca. 10 Jahren genau diesen Gründungszuschuss beantragt für die gleiche Art von Unternehmen, also IT Freelancer. Damals wars noch eine "Muss Leistung" und ich musste keinen Businessplan machen. War auch schockiert, wie viel Steine einem heute in den Weg gelegt werden.
Da merkt man, wie die Entwicklung der ARGE dem Markt hinterher hinkt, wahrscheinlich sind sie da heute strenger weil irgendwelche Leute Schwachsinns-Business-Ideen umgesetzt haben...aber bei einem IT Freelancer...

Uns war klar: rein "formal" ist er aus Sicht der ARGE "leicht vermittelbar". Wenn man davon ausgeht, dass "jeder ITler jeden IT Job annehmen kann und jede IT Firma jeden ITler nimmt". Die Realität sieht aber folgendermaßen aus: in seiner Region und weit darüber hinaus werden praktisch null App-Entwickler zur Festanstellung gesucht, sondern nur "Industrie-Programmierer", was eine komplett(!) andere Fachrichtung ist --> aber das kapiert ein Arbeitsamt natürlich erstmal 0. Die schicken ihm bislang lauter Stellen, die vom Fachbereich eigentlich null passen.
Aber: App-Entwickler werden durchaus gesucht - allerdings nur Freelancer! Daher steht er schon mit mehreren Vermittlungsagenturen in Kontakt und die wollen ihn alle praktisch sofort in ein Projekt vermitteln.

So und nun haben wir das Problem, dass die ARGE da offensichtlich null Plan von hat, wie sich die IT Branche derzeit entwickelt.

Wer mit dem IT Business zu tun hat, weiss ja: Immer mehr Firmen wollen nur Freelancer engagieren bzw. es ist inzwischen absolut normal. Weil man die flexibel, ungebunden und zeitlich begrenzt einsetzen kann, je nach Bedarf.
Aus meiner Perspektive und täglichen Erfahrung macht es auch viel mehr Sinn, freiberuflich tätig zu sein als Software-Entwickler, weil sich alles derart rasant entwickelt...alle paar Jahre gibts neue Programmiersprachen und neue Plattformen, auf die du dich einschießen musst....und als Festangestellter bist du sehr oft festgenagelt auf eine Rolle, eine Programmiersprache, teilweise sogar ein Projekt....und "tappst auf der Stelle" und hinkst oft der Entwicklung des Marktes hinterher. Also alleine der "Grad an Fortbildung", den du automatisch als Freelancer tagtäglich machst, wird dir in praktisch keiner Festanstellung geboten - ist aber eigentlich essentiell im IT-Markt.
Insofern ist es meiner Meinung nach eine absolut sinnvolle und automatische Entwicklung, dass Freelancer immer gefragter sind und festangestellte Software-Entwickler langsam aber sicher aussterben.

---> nur "blickt" das eine ARGE erstmal nicht, die ticken da offensichtlich noch wie in den 90er Jahren.


Daher war unser Ansatz: Wir ignorieren das Thema "leichte Vermittelbarkeit", weil wir die hinter-dem-Mond-lebende ARGE da eh nicht vom Gegenteil überzeugen können. Sondern wir argumentieren mit extrem breiter Brust "schaut her, der Markt entwickelt sich in Richtung Freelancer, ich habe bereits hier konkrete Angebote, ich bin aufgrund meiner Erfahrung und Ausbildung top gerüstet für das Freelancer-tum ----> ich brauche nur noch etwas Starthilfe, dann hebe ich ab!
Also praktisch "ich stehe in den Startlöchern. Nur ein kleiner Schubser von euch und die Sache läuft! Ich will etwas bewegen und werde das Business in der Region rocken. Und wenn ihr mich nicht fördert, schadet ihr sprichwörtlich schon der wirtschaftlichen Entwicklung in der Region" :D


Das sollte so der Tenor des Antrags sein und das Ziel ist, die ARGE zu überzeugen, dass die sagen "super....der Mann hat Power.....der will wirklich was bewegen...OK - Stempel drunter! Bewilligt!"



Eine kritische Frage, die wir uns dabei auch immer wieder gestellt haben: Wie viel "darf man denn schon machen bevor der Gründungszuschuss losgeht?"
Wenn er jetzt schon Angebote hat, sprichwörtlich schon einen Freelancer-Deal auf dem Tisch liegen hat....hat er dann schon "zu viel gemacht"? Könnte dann die ARGE sagen "ha...Sie haben doch schon nen Auftrag quasi...Sie brauchen doch gar keinen Gründungszuschuss?"

---> das war immer die Thin Line, die wir da gewandert sind. Einerseits überzeugen "Leute, ich rocke das! Das läuft! Greift mir nur noch ein paar Monate unter die Arme!" ohne schon "zu weit zu sein". Ich erinnere mich, bei meinem Gründungszuschuss war das ein wichtiges Thema, dass man vor offiziellem Beginn eigentlich noch nicht "in seiner neuen Selbständigkeit tätig sein durfte".



@marisupilami: Der addy wird dir sicherlich noch mehr schreiben, ich wollte kurz auf dein Feedback wegen fehlender Kosten für Server, Webseite usw. eingehen.....Ganz im Spirit des "Tenors" des Antrags war da unser Motto "kein Klein-Klein-Getue". Anfangs waren da 60 Euro für Website-Grafiken und 120 Euro Spesen für Business-Fahrten und blabla drin....für mich persönlich war das dann "Kleinscheiss", der den Gesamt-Tenor des Antrags runter zieht.
Verstehst was ich mein?
Bei den Investitionen war nämlich auch das Motto "Leute, schaut her - ich brauche keine großen Investitionen. Ich muss keine Maschinen anschaffen, ich muss keine Räumlichkeiten teuer anmieten, ich brauche keine Angestellten, nix....ich bin Freelancer und brauche nen Rechner und gut is! Lasst mich fliegen!"

@Olivia: "Was meiner Ansicht nach auf jeden Fall noch fehlt, ist eine stichhaltige Begründung, warum bei dem eklatanten Fachkräftemangel nicht einfach eine SV-pflichtige Stelle bei irgendeiner Softwarefirma angetreten wird " ---> da sehen wir wie gesagt vor allem die Entwicklung des IT Markts. Einerseits wird über Fachkräftemangel gejammert, andererseits wollen immer weniger Firmen überhaupt festangestellte Software-Entwickler. Die Branche geht extrem in Richtung Freelancer-tum. Von meinen früheren Mit-Studenten sind heute mehr als die Hälfte Freelancer und es werden immer mehr.
Wenn das bei dir nicht richtig ankam im Business-Plan, müssen wir das ggfs. noch deutlicher betonen?
Es geht einfach darum, dass "er sich dem Markt anpasst", der sich da hin entwickelt. Das ist das stärkste Argument, warum er als Freelancer Erfolg haben wird....weil die Firmen Freelancer wollen, und immer mehr davon :)

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Re: Gründungszuschuss Informatiker - Problem leicht vermittelbar

#22

Beitrag von Koelsch » Fr 7. Jun 2019, 17:11

Gründungszuschuss wird nach § 93 SGB III gezahlt, wenn die Tätigkeit bereits aufgenommen ist. Also kann auch kurz vor Antragstellung schon "was laufen".

Uns ist derzeit ein Fall bekannt, das hat das Arbeitsamt falsch beraten: Die sagten, Gewerbe darf erst angemeldet/gestartet werden, wenn Gründungszuschuss genehmigt ist. Das dauerte dann so lange, dass der nötige Restanspruch auf ALG I nicht mehr vorhanden war, und genau deswegen wurde dann Gründungszuschuss abgelehnt.
Frei nach Hanns-Dieter Hüsch, ist der Kölner überhaupt zu allem unfähig. Er weiß nix, kann aber alles erklären.
Deshalb kann von mir keine Rechtsberatung erfolgen, auch nicht per e-mail oder PN.

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Re: Gründungszuschuss Informatiker - Problem leicht vermittelbar

#23

Beitrag von marsupilami » Fr 7. Jun 2019, 17:47

addys_kumpel hat geschrieben:
Fr 7. Jun 2019, 12:49
Eine kritische Frage, die wir uns dabei auch immer wieder gestellt haben: Wie viel "darf man denn schon machen bevor der Gründungszuschuss losgeht?"
Wenn er jetzt schon Angebote hat, sprichwörtlich schon einen Freelancer-Deal auf dem Tisch liegen hat....hat er dann schon "zu viel gemacht"? Könnte dann die ARGE sagen "ha...Sie haben doch schon nen Auftrag quasi...Sie brauchen doch gar keinen Gründungszuschuss?"
So lange keine Gelder fließen - weder Einnahmen noch Ausgaben - sollte das kein Problem sein.
Rechnungsstellung dann erst Ende Juli oder entsprechend.

Außerdem läßt sich doch mit vorliegenden konkreten Aufträgen Anfragen gut argumentieren.

Nochmal grob zur Begründung - also entsprechen ausformulieren und dabei ruhig an dem, was hier bereits vorgestellt wurde entlanghangeln.

1. Absatz/Einleitung
Ich beantrage deshalb, weil keine Sicherheiten - somit keine Darlehen von Banken.
Auch nicht von Förder- und Gründerbanken, weil selbst da die Konditionen für mich zu hart sind.

2. Absatz
IHK hat Business- und Finanzplan geprüft und für gut befunden.
Ich denke, da kann die Formulierung aus meinem Posting viewtopic.php?f=26&t=24797#p519783 übernommen werden.

3. Absatz
Der Gründungszuschuss würde mich in den ersten Monaten meiner Gründung sehr dabei unterstützen, ein solides Fundament für meine Selbstständigkeit aufzubauen. Die anfänglichen Erträge sind laut Business- und Finanzplan natürlich noch nicht ausreichend, um in der Anlaufzeit meinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Der Gründungszuschuss gewährleistet hierbei die auch die Absicherung der notwendigen Versicherungsbeiträge (Kranken-, Pflege-, Haftpflichtversicherungen) in den ersten sechs Monaten. Anschließend werden die Erträge planmäßig ausreichen, um meinen Lebensunterhalt voll und ganz durch meine freiberufliche Tätigkeit zu verdienen.

4. Absatz
Es liegen auch erste Anfragen für die Mit-/Zusammenarbeit an x Projekt(en) vor.
Bevor ich aber dort eine Rechnung stellen kann und damit Einnahmen generiere, muss ich meinen Lebensunterhalt bestreiten, Miete und Krankenversicherung etc. zahlen.

Schluss:
Daher bitte ich um zügige Bearbeitung und einen positiven Bescheid.

So ungefähr. Ihr beide, addy und addy_kumpel seid zusammen gut genug, um das obige grobe Gerüst fertig auszuformulieren.

Wenn Ihr wollt und das für sinnvoll haltet, nochmal hier einstellen.
Dann schau ich - und andere - nochmal drüber.


Noch mal zum Finanzplan:
Was spricht dagegen, das ganze Klein-Klein in einem Finanzplan für den eigenen Gebrauch einzuarbeiten und diesem Finanzplan auch regelmäßig die Realität gegenüberzustellen? Für eine laufende Kontrolle des knappen Budgets?
Viele Gründer scheitern nicht am Wissen und Können, sonder an der Buchhaltung und mangelnder Finanzkontrolle.

Das Jobcenter/Arbeitsagentur bekommt einen "gröberen", aber immer noch realistischen Finanzplan.
Addy_42 wird eh eine vorausschauende EKS und nach 6 Monaten abschließende EKS einreichen müssen.
viewtopic.php?f=10&t=63

Wenn da ein paar Ausgaben drinnstehen, die der SB beim JC/Arbeitsagentur streichen kann, nicht anerkennen will, Dir - addy - aber nicht gleich weh tun, haben beide Seiten ein Erfolgserlebnis. :unschuld:


Nachtrag: nach meiner Auffassung ist die Begründung, warum selbstständig und nicht soz.ver.pfl. Anstellung besser ist, im Business-Plan ausreichend.
Evlt. könnte man in der Begründung für den Zuschuss einen kurzen Hinweis darauf einfügen.
Signatur?
Muss das sein?

addy_42
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Re: Gründungszuschuss Informatiker - Problem leicht vermittelbar

#24

Beitrag von addy_42 » Mo 10. Jun 2019, 19:01

Liebe Leute,

ich habe eure Antworten gelesen und bin euch unglaublich dankbar für euer Feedback und all die hilfreiche Kritik um es noch besser zu machen.

Ich kann leider jetzt nicht daran arbeiten und auf Details eingehen, weil ich am Wochenende geheiratet habe und morgen 2 Wochen in Flitterwochen fliege. Es ist mir aber wichtig mich kurz nochmal zu melden damit ihr Bescheid wisst.

Vielen Dank für eure Hilfe. Nach dem positiven Feedback kann ichs besser genießen. :)

Lasst es euch gut gehen und bis bald!

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Re: Gründungszuschuss Informatiker - Problem leicht vermittelbar

#25

Beitrag von marsupilami » Mo 10. Jun 2019, 19:05

Herzlichen Glückwunsch!!

Habt Spaß :tanz2: und :rosawolke:


Dank für die Rückmeldung!
Signatur?
Muss das sein?

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