Eure Antworten auf meine Fragen für einen Text gegen die Agenda 2010: Eure Erfahrungen sind wichtig

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angel6364
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Eure Antworten auf meine Fragen für einen Text gegen die Agenda 2010: Eure Erfahrungen sind wichtig

#1

von angel6364 » Di 11. Apr 2017, 23:43

Ich brauche Eure Mitarbeit.
Mir spinnt schon lange ein Text zum Veröffentlichen im Kopf rum, aber ohne Eure Erfahrungen und deren Sammlung krieg ich das nicht richtig hin.
Ich habe Fragen, zu denen mir die breit gefächerten Antworten fehlen. Ihr könnt die geben, das weiß ich, jeder ein bisschen.
Die Idee ist, die Antworten zu sammeln, zu verarbeiten und dann einen Text der Alg-Ratgeber-User draus zu basteln. Wer seinen Usernamen nicht drunter haben möchte, kann das ja dazu schreiben.

Es geht um mehrere Punkte.

1. und 2. sind allgemeine Fragen.

1. Hat der Staat das Recht, nicht kriminelle Erwachsene umzuerziehen?

Meinungen dazu:

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2. Hat der Staat das Recht, sich in die Erziehung der Kinder ohne Hinweis auf Fehlentwicklungen zuungunsten der Kinder einzumischen? Beispiele: Wer betreut wo und wann wie die Kinder, welche Schule besuchen sie, welche Ausbildung beginnen sie? Übernimmt er dann auch die Verantwortung für Fehler?

Meinungen dazu:

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Schwarze Pädagogik:

Merkmale: Definition laut Alice Miller „Unter der „Schwarzen Pädagogik“ verstehe ich eine Erziehung, die darauf ausgerichtet ist, den Willen des Kindes [hier: "der Erwachsenen und der Kinder] zu brechen, es [sie] mit Hilfe der offenen oder verborgenen Machtausübung, Manipulation und Erpressung zum gehorsamen Untertan zu machen.“

3. Wer hat Beispiele zu Gemeinsamkeiten dieser Definition mit dem jetzigen Sozialsystem, der Agenda 2010?

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Mobbing:

Merkmale: Beschreibung laut Leymann:
„Die 45 Mobbing-Handlungen nach Leymann

Der bedeutende Mobbing-Forscher Heinz Leymann klassifizierte die 45 verschiedenen, von ihm beobachteten Mobbing-Handlungen in die folgenden fünf Gruppen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass oftmals eine Mobbing-Handlung allein noch kein Mobbing ausmacht. Nach Leymann geht es um
a.Angriffe auf die Möglichkeiten, sich mitzuteilen:
• Der Vorgesetzte schränkt die Möglichkeiten ein, sich zu äußern.
• Man wird ständig unterbrochen.
• Kollegen schränken die Möglichkeiten ein, sich zu äußern.
• Anschreien oder lautes Schimpfen.
• Ständige Kritik an der Arbeit.
• Ständige Kritik am Privatleben.
• Telefonterror.
• Mündliche Drohungen.
• Schriftliche Drohungen.
• Kontaktverweigerung durch abwertende Blicke oder Gesten.
• Kontaktverweigerung durch Andeutungen, ohne dass man etwas direkt ausspricht.

b.Angriffe auf die sozialen Beziehungen:
• Man spricht nicht mehr mit dem Betroffenen.
• Man lässt sich nicht ansprechen.
• Versetzung in einen Raum weitab von den Kollegen.
• Den Arbeitskollegen/innen wird verboten, den/die Betroffenen anzusprechen.
• Man wird "wie Luft" behandelt.
c.Auswirkungen auf das soziale Ansehen:
• Hinter dem Rücken des Betroffenen wird schlecht über ihn gesprochen.
• Man verbreitet Gerüchte.
• Man macht jemanden lächerlich.
• Man verdächtigt jemanden, psychischkrank zu sein.
• Man will jemanden zu einerpsychiatrischen Untersuchung zwingen.
• Man macht sich über eine Behinderung lustig.
• Man imitiert den Gang, die Stimme, oder Gesten, um jemanden lächerlich zu machen.
• Man greift die politische oderreligiöse Einstellung an.
• Man macht sich über das Privatlebenlustig.
• Man macht sich über die Nationalität lustig.
• Man zwingt jemanden, Arbeiten auszuführen, die das Selbstbewusstsein verletzen.
• Man beurteilt den Arbeitseinsatz in falscher od. kränkender Weise.
• Man stellt die Entscheidungen des Betroffenen in Frage.
• Man ruft ihm/ihr obszöne Schimpfworte o. a. entwürdigende Ausdrücke nach.
• Sexuelle Annäherungen oder verbale sexuelle Angebote.


d.Angriffe auf die Qualität der Berufs- u. Lebenssituation:
• Man weist dem Betroffenen keine Arbeitsaufgaben zu.
• Man nimmt ihm jede Beschäftigung am Arbeitsplatz, so dass er sich nicht einmal selbst Aufgaben ausdenken kann.
• Man gibt ihm sinnlose Arbeitsaufgaben.
• Man gibt ihm Aufgaben weit untereigentlichem Können.
• Man gibt ihm ständig neue Aufgaben.
• Man gibt ihm "kränkende" Arbeitsaufgaben.
• Man gibt dem Betroffenen Arbeitsaufgaben, die seine Qualifikation übersteigen, um ihn zu diskreditieren.

e.Angriffe auf die Gesundheit:
• Zwang zu gesundheitsschädlichen Arbeiten.
• Androhung körperlicher Gewalt.
• Anwendung leichter Gewalt, zum Beispiel um jemandem einen "Denkzettel" zu verpassen.
• Körperliche Misshandlung.
• Man verursacht Kosten für den/die Betroffene, um ihm/ihr zu schaden.
• Man richtet physischen Schaden im Heim oder am Arbeitsplatz des/der Betroffenen an.
• Sexuelle Handgreiflichkeiten.“

4. Wer hat Beispiele zu Gemeinsamkeiten dieser Definition mit dem jetzigen Sozialsystem, der Agenda 2010?

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Psychischer Terror:

Merkmale:
Definition lauf GEO Themenlexikon: „Ausübung psychischer (im Gegensatz zu körperlicher) Gewalt, mit dem Ziel, andere Menschen zu unterwerfen, zu erniedrigen, zu quälen, sie dienstbar und gefügig zu machen. Das wichtigste Mittel des Psychoterrors ist die Drohung, d. h. die gezielte Mobilisierung der Angst des Opfers. Das Opfer ist häufig wehrlos, weil es sich derart an den Täter gebunden fühlt, dass es ihm unmöglich scheint, sich gegen dessen Drohungen angemessen zu wehren.“

5. Wer hat Beispiele zu Gemeinsamkeiten dieser Definition mit dem jetzigen Sozialsystem, der Agenda 2010?

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Folter:

Merkmale: Völlig klar, dass bekannte Foltermethoden hier nicht das Thema sind – das wäre eine grobe Missachtung von Folteropfern. Nichtsdestotrotz ist hier die Rede von schweren Misshandlungen, und als solche darf man beispielsweise sowohl die Androhung als auch den Durchführung des Entzugs des Existenzminimums (Essen, Trinken, Wohnen, Gesundheitsfürsorge …) durchaus bezeichnen.

Hier ist am interessantesten die Untersuchung Philip Zimbardos von der University of California, Berkeley, zur Täterpsychologie. Zehn Hinweise, wie vorzugehen ist:

a. Gib der Person eine Rechtfertigung für ihre Tat. Zum Beispiel eine Ideologie, „nationale Sicherheit“, das Leben eines Kindes.
b. Sorge für eine vertragsartige Abmachung, schriftlich oder mündlich, in der sich die Person zum gewünschten Verhalten verpflichtet.
c. Gib allen Beteiligten sinnvolle Rollen, die mit positiven Werten besetzt sind (z. B. Lehrer, Schüler, Polizist).
d. Gib Regeln aus, die für sich genommen sinnvoll sind, die aber auch in Situationen befolgt werden sollen, wo sie sinnlos und grausam sind.
e. Verändere die Interpretation der Tat: Sprich nicht davon, dass Opfer gefoltert werden, sondern dass ihnen geholfen wird, das Richtige zu tun.
f. Schaffe Möglichkeiten der Verantwortungsdiffusion: Im Falle eines schlechten Ausgangs soll nicht der Täter bestraft werden (sondern der Vorgesetzte, der Ausführende, etc.).
g. Fange klein an: Mit leichten, unwesentlichen Schmerzen. („Ein kleiner Stromschlag von 15 Volt.“)
h. Erhöhe die Folter graduell und unmerklich. („Es sind doch nur 30 Volt mehr.“)
i. Verändere die Einflussnahme auf den Täter langsam und graduell von „vernünftig und gerecht“ zu „unvernünftig und brutal“.
j. Erhöhe die Kosten der Verweigerung, etwa indem keine üblichen Möglichkeiten des Widerspruchs akzeptiert werden.[6

6. Wer hat Beispiele zu Gemeinsamkeiten dieser Definition mit dem jetzigen Sozialsystem, der Agenda 2010?

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Wer was dazu zu sagen hat: Bitte die Nummer und die Antwort dahinter. Ich werde es dann sammeln und stell es hier ein, wenn genug Material da ist.
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marsupilami
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Re: Eure Antworten auf meine Fragen für einen Text gegen die Agenda 2010: Eure Erfahrungen sind wichtig

#2

von marsupilami » Mi 12. Apr 2017, 14:49

Ob das alles wirklich durchdacht ist, was ich da von mir gebe, weiß ich nicht.
Ob's allen gefällt, ist mir grad egal.

Ich sag's mal frei Schnauze.

Zu 1:
tut er doch schon: Anschnallpflicht, handy-Verbot im fahrenden Auto, Helmpflicht für Motoradfahrer und radfahrende Kinder, Gesundheits-Programme (Raucher, Übergewichtige) der gesetzlichen Krankenkassen, Rauchverbot in Gaststätten und öffentlichen Gebäuden, .....
Die Argumentation: Schutz vor Gefahren, gesundheitliche Schäden der Person bzw. Schutz vor Gefährdung durch andere, ist sicherlich lobenswert und richtig.
Nur letztendlich und strenggenommen ist das in meinen Augen eine Gängelung.


Zu 2:
Das ist ja die Krux der Jugendämter: tun sie was, dann heißt es "Einmischung in inner-familiäre Angelegenheiten", tun sie nix und die Kinder verkommen oder kommen gar zu Tode, stehen sie am Pranger!
Aber auch hier denke ich, dass der Staat bzw. Gemeindeverwaltung bereits Einfluß ausübt: generell sollen ja Kinder in den Kindergarten, Schule, ... gehen, die diesem (Wohn-)Bezirk zugeteilt ist. Soll das Kind woanders betreut/beschult werden, haben die Eltern einen K(r)ampf an der Backe, Kosten erstattet zu beommen.
Habe ich so den Eindruck.
Hab' ja keine Zwergel, um die ich mich kümmern muss(te).

Verantwortung versucht der Staat aber schon abzuwälzen. Mehrkosten (Fahrtkosten, weil die Stätte weiter weg ist) werden ja wohl gar nicht erstattet bzw. nur nach langem Kampf. Passiert was auf dem Schulweg, wird prompt die Frage danach gestellt, ob das der kürzeste, übliche Schulweg ist/war.
Pädagogische Fehler ebenfalls. Sieht man ja, wie der Staat mit den heute Erwachsenen umgeht, die in staatlichen (und kirchlichen) Einrichtungen (Waisenhäuserf) kurz nach dem Krieg, - auch in der ehemaligen DDR - als Kinder "pädagogisiert" wurden.
Wenn Eltern den Kindergarten und die Schule teilweise selbst und auf eigene Kosten renovieren, wird das wohl gerne angenommen.
Der "Staat" nimmt sich aus der Veranwortung, die Kindergärten und Schulen in Schuss und sauber zu halten.
Ausreichend Lehrer zur Verfügung zu stellen, ....


Zu 3:
Ich bin mir inzwischen sicher, dass das Sanktions-System des SGB u.a. eben auch mit einer Schwarzen Pädagogik gleichgesetzt werden kann.
Allein dass es zulässig ist, vom Existenz-Minimum nochmal was wegzunehmen, nur weil der Deliquent nicht sofort, nicht im Sinne des SB's reagiert.
Ich bin mir sicher, dass es da des Öfteren zu Macht-Mißbrauch, Erpressung, .... , kommt.


Zu 4: Ich bin der Auffassung, dass man bei "schlechter Chemie" zwischen SB und eLB nicht von Mobbing reden kann.
Das läuft dann eher auf Macht-/Amtsmißbrauch, Nötigung, ... hinaus.
Was aber mind. genauso schlimm ist.


Zu 5:
Siehe meine Antwort zu Frage 4.
Ja, ich kann mir vorstellen, dass der eine oder andere "Kunde" des JC sich durch dessen Forderungen nach Unterlagen, Daten von Dritten, wiederholte Anforderung von Unterlagen, die bereits eingereicht wurden, Haus"besuche" durch den Außen-Dienst, .... terrorisiert fühlen.
Es ist aber auch eine Frage der Persönlichkeit des Deliquenten: das was die eine als Terror empfindet, ist für den anderen gerade mal lästig.


Zu 6:
Von Folter zu reden, wenn SB Leistungen kürzt, weil eLB den Mietvertrag nicht ungeschwärzt vorlegt, weil nur so die Leistungen korrekt berechnet und ausgezahlt werden können, halte ich dann doch für ein wenig zu phathetisch (Jaaa, ich weiß, hab ich selber schon gemacht).
Amtsmißbrauch, Nötigung, ... alles richtig.

Das Hauptproblem: viele von den ALG-II-Empfängern haben sich sehr weit in sich zurückgezogen (hier weiß ich endlich mal, wovon ich rede), "mucken nicht mehr auf" (ich selber doch noch ab und an), leiden still vor sich hin.
Sowohl an der Arbeitslosigkeit und der damit einhergehenden "Minderwertigkeit" in den Augen der anderen, als auch an den Schikanen, Amts-Mißbrauch, Nötigung durch den/die SachbearbeiterIn.


So.
Mal bis dahin.
Ich hoffe, Du kannst was damit anfangen.
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Muss das sein?

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kleinchaos
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Re: Eure Antworten auf meine Fragen für einen Text gegen die Agenda 2010: Eure Erfahrungen sind wichtig

#3

von kleinchaos » Mi 12. Apr 2017, 17:53

1.: grundsätzlich nein

2.: Der Staat hat dazu kein Recht. In einzelnen Länderverfassungen ist zwar für Schulen und Kitas auch ein Erziehungsauftrag vorgesehen, jedoch immer in Absprache mit den Eltern.

Dann erhebt sich die Frage: wer ist hier mit Staat gemeint? Und wie weit geht die Einmischung? Bildung ist Ländersache, hier sind die Vorgaben der jeweiligen Bundesländer zu beachten. Ebenso die Vorgaben zum Auswahlverfahren bei weiterführenden Schulen, also nach der Grundschule. Die Länder haben das Recht, die Schulformen in ihrem Hoheitsgebiet festzulegen. Innerhalb dieser können Eltern dann wählen. Schulen können ein Auswahlverfahren durchführen, wenn es mehr Bewerber als freie Plätze gibt.

Eine gewisse staatliche Einmischung in die Wahl der Schulform ist schon durch die Übernahme oder eben Verweigerung der Fahrtkosten zu Schulen außerhalb des direkten Wohnumfeldes gegeben. Wer also nicht die finanziellen und zeitlichen Möglichkeiten hat sein Kind in eine weiter entfernte Schule zu schicken, der muss sich auf die jeweils örtlichen, nicht immer optimalen, Bildungseinrichtungen beschränken.
Während es für “normale” Schüler vielleicht noch Zuschüsse aus kommunalen Mitteln für Schülertransport geben könnte, lehnen Jobcenter solche Kosten rundweg ab. Ebenso bei Förderunterricht. Es ist zwingend der billigste und am wenigsten Fahrtkosten verursachende Anbieter zu wählen.

Mit Abschluss der Hauptschule, oft schon 1 Jahr vorher, beginnen Arbeitsagentur und Jobcenter schon die Schüler in Richtung einer Ausbildung zu beeinflussen. Es wird in den überwiegenden Fällen maximal auf einen Realschulabschluss mit anschließender gewerblicher Berufsausbildung abgestellt.

Verantwortung für Fehler übernimmt dabei niemand. Es wird dann im Nachhinein immer behauptet, dass Eltern und Schüler ja Widerspruch hätten einlegen können.

3.: Die schwarze Pädagogik beginnt schon beim Regelsatz: Alkohol und Tabak sind nicht vorgesehen. Per Ordre de Mufti wird also hier unterstellt, dass arme Menschen nicht mit Genussmitteln umgehen könnten, dass Arme diszipliniert werden müssen, auf diese Weise zu gesunder Lebensweise gezwungen werden müssen. Kann einer das nicht, wird ihm der Regelsatz vom Sachbearbeiter eingeteilt und wöchentlich ausgezahlt.

zum ps<chichen Terror: Psychischer Terror: erst jüngst bei einer Betroffenen erlebt:
immer wieder mündliche Angriffe gegen ihre Person durch die Vermittlerin. Immer wieder werden Unterlagen angefordert, die längst mehrfach vorliegen, wird die Glaubwürdigkeit angezweifelt, wird devotes Verhalten verlangt, immer wieder wird mündlich mit Leistungsentzug bzw Leistungseinstellung gedroht. Schriftlich jedoch kommt nichts. Selbst nach einem an sich positiv verlaufenen Gespräch wird noch telefonisch im Nachhinein wieder gefordert mit aberwitziger Begründung, wird wieder neue Angst ausgelöst.
Dem mündlichen Tun eines Sachbearbeiters oder Vermittlers sind mangels Beweisen keine Grenzen gesetzt. Der Betroffene hängt fest in der Spirale der finanziellen Abhängigkeit, er tut was von ihm verlangt wird um keine finanziellen Einbußen zu erleiden

5. siehe psychischer Terror

6. Das beste Beispiel dafür sind die Eingliederungsvereinbarungen
Ideologie: Sozialleistungen nur bei Bedarf, werden vom Steuerzahler bezahlt, muss man zwingend mindern
Eingliedrungsvereinbarung
Vermittler ist der Gute, der nur das Beste will für den Bedürftigen. Dieser wiederum ist ein Guter, wenn er alles befolgt was von ihm verlangt wird
Bewerbungen an sich sind ok. Aber eine offensichtliche Überhöhung ist sinnlos. Bedrohend wird es dann, wenn man zu überwiegendem Teil oder vollsanktioniert ist und trotzdem Bewerbungsbemühungen unternehmen muss
all dies ist nur zum Besten des Betroffenen, wird es ihn doch irgendwann in Arbeit bringen
wenn nicht, dann ist der Betroffene selbst schuld und es müssen die Daumenschrauben nur ein wenig fester angezogen werden
10% Sanktion sind doch nicht so schlimm, 30% auch nicht,
erst danach gibt es Lebensmittelgutscheine. Es kommt also zum Geldentzug noch die soziale Stigmatisierung hinzu
bei immer noch vorhandener Unbotmäßigkeit wird die Leistung ganz eingestellt. Nun hat der Betroffene keinerlei Leistungsansprüche mehr. Die Beiträge zur KV werden nichtgezahlt,Anspruch auf Lebensmittelgutscheine hat er auch nicht mehr, da er aus dem Bezug vollständig a
j Widerspruch und Klage haben keine aufschiebende Wirkung mehr.
"Freiheit nur für die Anhänger der Regierung, nur für Mitglieder einer Partei - mögen sie noch so zahlreich sein - ist keine Freiheit. Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden." Rosa Luxemburg

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Re: Eure Antworten auf meine Fragen für einen Text gegen die Agenda 2010: Eure Erfahrungen sind wichtig

#4

von angel6364 » Mi 12. Apr 2017, 21:22

Danke Euch, das ist eine Menge Stoff.

Ich sollte vielleicht kurz erklären, warum mir das so wichtig ist.
Die Folgen von jahrelangem Alg II-Bezug sind so augenfällig, und sie ähneln sich bei den Menschen so sehr, gleich welches Jobcenter sie unter der Fuchtel hat.
Erst die Ungläubigkeit, dann das Aufmucken, die Verzweiflung, die Müdigkeit, der Rückzug, die Isolation, depressive Phasen abwechselnd mit kurzem Aufbäumen, physische und psychische Erkrankungen ...

Mich erinnert das alles so sehr an meine Ausbildung an der Fachakademie für Sozialpädagogik. All diese beobachteten Reaktionen ähneln so sehr den Folgen von Gewalt in der Erziehung.

Und sicher, der viel zu geringe Lebensunterhalt ist übel und folgenreich - aber dieser andere Aspekt kommt mir immer zu kurz in der öffentlichen Debatte.
Ich würde so gerne was drüber schreiben und das dann im Rahmen meiner Möglichkeiten einfach weiter verteilen. Das sollen Menschen lesen, sie müssen wissen, was da passiert.
Eine der schrecklichsten Folgen dieser Unterdrückung ist die Vereinzelung der Menschen, die davon betroffen sind. Und das ist nicht überraschend, sondern jedem mit ein wenig Fachwissen durchaus bekannt. Fein für die Unterdrücker, denn alleine ist niemand diesem System auf Dauer gewachsen, dafür muss man sich zusammenschließen - und zwar auch mit nicht davon Betroffenen.

Niemand kann mich davon überzeugen, dass das ein zufälliges Ergebnis ist.
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Re: Eure Antworten auf meine Fragen für einen Text gegen die Agenda 2010: Eure Erfahrungen sind wichtig

#5

von kleinchaos » Mi 12. Apr 2017, 21:31

Klar ist das so gewollt.
Aber andererseits, wenn die Wirtschaft einen Pool von kurzfristig verfügbaren, teils gutausgebildeten Menschen haben will, dann muss man doch dafür sorgen, dass die nicht einfach so dahinsiechen, in Depressionen und Ängsten gefangen, eigentlich untauglich für fast jede Form Arbeit?
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Re: Eure Antworten auf meine Fragen für einen Text gegen die Agenda 2010: Eure Erfahrungen sind wichtig

#6

von marsupilami » Do 13. Apr 2017, 07:48

Teile und herrsche ....
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Re: Eure Antworten auf meine Fragen für einen Text gegen die Agenda 2010: Eure Erfahrungen sind wichtig

#7

von Günter » Do 13. Apr 2017, 09:48

Ich kann dazu nicht viel schreiben, da man mich weitestgehend in Ruhe gelassen hat. Lag vielleicht auch daran, dass die auch keine Lust auf Dauerstress mit mir hatten.

Aber ich habe gemerkt wie der Widerstand immer mehr nachgelassen hat.

2005 gab es zwei große Demos in Berlin. Bei der ersten hat das große Forum von Rudi und HennerV noch versucht Mitglieder zu motivieren, der Erfolg von ca 20.000 Foristen kamen nicht mal 10 zum Treffpunkt. Aber die Neonazis versuchten sich am Ende der Demo zu profilieren. Bei der zweiten Demo war es schon ruhiger. Ich hatte dann 2006/2007 versucht in Potsdam mit den örtlichen Anti-Hartz Truppen in Kontakt zu kommen aber das waren einfach nur postengeile Funktionärstypen oder Spinner der KPD/ML oder was auch immer. Geordneter Widerstand hat hier nicht geklappt.

Selbst das Gärtnern in kostenlos zur Verfügung gestellten Gärten haben die nicht auch die Reihe gekriegt. Allerdings hatte ich das Gefühl so blöde kann man sich nicht anstellen, das ist so gewollt. Dann kann man sagen seht mal die Typen bekommen nix auf die Reihe.

Ich persönlich kann nach knapp 10 Jahren ALG II nur sagen gebrochen haben die mich nicht, aber persönliche Lebensfreude haben die zerstört. Ich bin ein Genuss-Typ. Ich hab vor dem ALG II Bezug, als ich es mir noch leisten konnte gerne geleckert oder mir was Unvernünftiges geleistet, bin Essen gegangen usw. Dann hab ich sehr schnell gelernt oder besser gesagt lernen müssen das Geld einzuteilen, unnötige Ausgaben einzusparen usw,

Klar, das könnte auch eine positive Änderung bewirken ich hab reichlich abgespeckt, hab am Ende des Monats noch Geld überbehalten, aber es versaut auch das Leben nach Hartz IV. Ich hab das Glück seit ca 3 Jahren nicht mehr auf den Cent achten zu müssen. Aber ich schaue so auf den Preis, ich versage mir die kleinen Genüsse, die großen erst recht und denke dann du bist ein Idiot, kauf es dir doch. Aber eine Stimme sagt, lass es, du kannst es dir zwar leisten aber es wird dir keinen Spaß machen.
Ist der einzige Existenzgrund für Milliarden Menschen nur die Befriedigung der Profitgier der Besitzenden? Oder haben diese Menschen auch ein Anrecht auf ein menschenwürdiges Leben?

Ich könnte freundlich, aber wozu? :6:

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Pegasus
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Re: Eure Antworten auf meine Fragen für einen Text gegen die Agenda 2010: Eure Erfahrungen sind wichtig

#8

von Pegasus » Do 13. Apr 2017, 14:41

Ich lese das Thema mit sehr großen Interesse. Muss aber momentan auch "kapitulieren". Warum - nun ja bis auf einige Dinge habe ich mich immer gut wehren können. Trotzdem war die nervliche Belastung enorm. Koelsch hatte ja mal das lesen können. Habe einige Jahre daür eine Webseite online. Es war mir wichtig, das kleinere Selbständige es lesen. Denn ohne Zweifel drohte damals die Ehe an all den Problemen zu scheitern.


Folter durch JC?
- Ich weiß nicht das verbinde ich zu erst mit Körperlichen Schäden. Ja es gibt auch Püschu-Folter. Aber ich möchte das persönlich eher als Terror bezeichnen. Kein Mensch ist gleich und so ist das persönliche Empfinden sehr unterschiedlich.

Ich finde die Vorschreiber haben es schon richtig beschrieben.

Die schlimmste Zeit im ALG-II Bezug war gleich als ALG-II angelaufen war. Damals waren wir wirtschaftlich und nervlich ganz weit unten. Wie soll es auch klappen im 1.Monat eines Leistungsbezuges?

Über 9 Wochen lebten wir von NICHTS. Nur durch meine Schwestern die uns mehrfach mit "Care-Paketen" versorgten hatten wir überhaupt etwas zu Essen. Es gab wie KC schon schrieb, jeden Tag ein kleiner Becher Reis mit brauner Aldipampe. Die MIete und anderen Fixkosten liefen enmorm auf und wir wurden nichts obdachlos weil der Vermieter ein Herz hatte. Mühsam habe ich alles später monatlich in kleinen Raten getilgt. Auf den Bescheid hätten wir ohne Hilfe eines bekannten RA wahrscheinlich noch weitere Wochen warten müssen. Jedenfalls rief der Theamleiter an und sagte er hätte Post von RA und ich kann morgen einen Barscheck abholen. Er war beleidigt weil ein RA ihn mit Konsequenzen gedroht hat.

Selbst der Teamchef konnte damals die verlangten und vorgelegten Umsatzauswertungen vom StB nicht lesen. Also hatten wir uns geeinigt eine abgespeckte Version der Auswertungen abzugeben. Tja damit hatte sich das JC ins Knie geschossen. Unser StB hat nämlich nur die Privatentnahmen als Einkommen generiert. Somit fiel die RL wesentlich höher aus.

Dann 2 Wochen nach Antragstellung kam eine Einladung. Ha das war der Versuch einer Massenunterbringung in Maßnahmen sowie Billiglohn.
Auch da hatte ich zukämpfen, aber halt durchgehalten und gewonnen.

Als dann der Schrottpreis auf 4 Euro /Tonne fiel mußte ich wieder ALG beantragen. Ich bin sehr ungern hingegangen. Allein das Gebäude war ein Graus, die Wartezone völlig überfüllt. Folge ich bekam Asthmaanfälle. Von da ab habe ich grundsätzlich auf einen Termin außerhalb der Sprechstunden bestanden. Klappte auch, aber nur weil in der Anmeldung jemand selbst an Asthma litt.
In jeden Stein, in jeden Ast, in jeden Tier ist Leben wie in Dir selbst

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