Arbeitsvertrag mit fragwürdigem Inhalt

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angel6364
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Arbeitsvertrag mit fragwürdigem Inhalt

#1

von angel6364 » Mo 28. Mai 2018, 22:19

Ich hab hier einen merkwürdigen Arbeitsvertrag vorliegen.
Irgendwie erinnert mich der massiv an Zeitarbeitsfirmenverträge, aber das ist definitiv keine ZA, sondern ein Straßenbaubetrieb, spezialisiert auf Kanalschachtrahmensanierungen. Der AN hat dummerweise unterschrieben und erst zuhause gelesen, was da drin steht. Am liebsten käme er da schnellstens wieder raus, noch bevor der Job Mitte Juni losgeht. Es wurde mündlich viel vereinbart, und er hat sich darauf verlassen, das stünde da alles drin - muss man nicht verstehen. Natürlich steht "keine mündlichen Absprachen" drin ...
Da es eh eine Saisontätigkeit ist und 6 Monate Probezeit mit beiderseitigem Recht auf eine zweiwöchige Kündigungsfrist drinsteht, kann er das notfalls auch sonst recht flott.
Ich finde das eh blöd: Sechs Monate Probezeit heißt in dem Fall, alle ANs befinden sich - wegen der Saisonkündigung - permanent in der Probezeit.

Diese beiden Teile finde ich sehr sonderbar. Meine Frage an Euch: Ist sowas legal?

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"Beschäftigung in einem anderen Betrieb" - häh?

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Ich lese das so, dass er 120 Überstunden über die Saison hin ansammeln muss, die erst nach der Kündigung am Saisonende bezahlt werden.
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"Ich fürchte mich nicht vor der Rückkehr der Faschisten in der Maske der Faschisten, sondern vor der Rückkehr der Faschisten in der Maske der Demokraten."

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Koelsch
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Re: Arbeitsvertrag mit fragwürdigem Inhalt

#2

von Koelsch » Mo 28. Mai 2018, 22:33

So les ich das auch - auf gut Deutsch so 'nen knappen Monat lässt Firma ihn ggf. erst mal für lau arbeiten.

ZU dem Thema Arbeitszeitkonto auch ganz ordentlich: https://www.deutsche-handwerks-zeitung. ... 099/246434
Frei nach Hanns-Dieter Hüsch, ist der Kölner überhaupt zu allem unfähig. Er weiß nix, kann aber alles erklären.
Deshalb kann von mir keine Rechtsberatung erfolgen, auch nicht per e-mail oder PN.

Peterpanik
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Re: Arbeitsvertrag mit fragwürdigem Inhalt

#3

von Peterpanik » Di 29. Mai 2018, 04:54

Ja und nein, man sollte vorher immer genau also sehr sorgfältig lesen was man Unterschreiben tut,
liest man nur oberflächlich was und Unterschreibt ist man an kommenden Problemen selbst schuld.

friys
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Re: Arbeitsvertrag mit fragwürdigem Inhalt

#4

von friys » Di 29. Mai 2018, 10:03

angel6364 hat geschrieben:
Mo 28. Mai 2018, 22:19
Der AN hat dummerweise unterschrieben und erst zuhause gelesen, was da drin steht. Am liebsten käme er da schnellstens wieder raus, noch bevor der Job Mitte Juni losgeht.
Der Arbeitsvertrag kann angefochten werden, wenn sich eine der Parteien bei Abschluss des Arbeitsvertrages geirrt hat. Die Anfechtung hat unverzüglich nach Bekanntwerden des Anfechtungsgrundes zu erfolgen (§ 121 BGB).

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angel6364
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Re: Arbeitsvertrag mit fragwürdigem Inhalt

#5

von angel6364 » Di 29. Mai 2018, 10:44

Ich stolpere halt vor allem darüber:

"Der Vorbehalt erstreckt sich auch auf eine Beschäftigung in einem anderen Betrieb oder bei einer Tochtergesellschaft der Firma."

Der AN hat doch einen Vertrag mit dieser Firma. Und für mich als Laiin liest sich das so, als könne diese Firma ihn einfach an andere Betriebe "weiterreichen". Das kanns doch nicht sein? Es ist, wie gesagt, keine ZA.

Und zu dem Arbeitszeitkonto: Meiner Lesart nach bekommt er die ganze Saison über lediglich das Grundgehalt (120 Überstunden sind eine Menge für eine Saison ...) und die Überstunden erst nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses ausgezahlt oder der AG kündigt zu einem späteren Zeitraum, um die Überstunden "abfeiern" zu lassen.
Letzteres ist zwar unbefristet, aber der AG hält sich mit der sechsmonatigen Probezeit natürlich die Saisonkündigungsoption offen (hat er auch schon angekündigt, mit dem Versprechen, das Arbeitsamt ließe den AN über den Winter eh in Ruhe, weil er ja im Frühjahr wieder eingestellt werde - dazu sag ich lieber nix ...).


Nachträgliche Korrektur: Es muss natürlich "sechsmonatigen Probezeit", nicht "sechsmonatigen Kündigungsfrist" heißen.
Zuletzt geändert von angel6364 am Di 29. Mai 2018, 11:10, insgesamt 2-mal geändert.
Bild



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marsupilami
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Re: Arbeitsvertrag mit fragwürdigem Inhalt

#6

von marsupilami » Di 29. Mai 2018, 10:51

Egal worüber Du stolperst:
Ich denke, die Lösung ist der von friys gepostete Ansatz.

"Kündigung

Hiermit kündige ich den am [Datum] in Ihrem Büro unterschriebenen Arbeitsvertrag.

Begründung:
Etliche der mündlichen Absprachen finde ich so in diesem Vertrag nicht wieder.
Z.B. wurde besprochen dass ....
Von dieser Absprache ist nichts im Arbeitsvertrag wieder zu finden.

Außerdem war ich mir über die Tragweite der möglichen Auswirkungen des Passus der Beschäftigung in einem anderen Betrieb oder Tochtergesellschaft nicht im Klaren."

So in etwa.
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Re: Arbeitsvertrag mit fragwürdigem Inhalt

#7

von Peterpanik » Di 29. Mai 2018, 11:00

marsu das ist gut, sollte er so mal übernehmen und hin schicken.

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Günter
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Re: Arbeitsvertrag mit fragwürdigem Inhalt

#8

von Günter » Di 29. Mai 2018, 11:01

Man kann ja auch schreiben

Die folgenden Punkte bedürfen einer Klärung bevor das AV beginnt.

...

...

...


Laut mündlicher Absprache wurden die folgenden Vorgehensweisen vereinbart.

...

Sollten sie dem nicht zustimmen, bin ich gezwungen den Arbeitsvertrag mit sofortiger Wirkung zu kündigen.
Ist der einzige Existenzgrund für Milliarden Menschen nur die Befriedigung der Profitgier der Besitzenden? Oder haben diese Menschen auch ein Anrecht auf ein menschenwürdiges Leben?

Ich könnte freundlich, aber wozu? :6:

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Re: Arbeitsvertrag mit fragwürdigem Inhalt

#9

von marsupilami » Di 29. Mai 2018, 11:03

Auch möglich.
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Muss das sein?

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angel6364
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Re: Arbeitsvertrag mit fragwürdigem Inhalt

#10

von angel6364 » Di 29. Mai 2018, 11:14

Danke Euch, ich geb das mal so weiter. Bild
Bild



"Ich fürchte mich nicht vor der Rückkehr der Faschisten in der Maske der Faschisten, sondern vor der Rückkehr der Faschisten in der Maske der Demokraten."

Breymja
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Re: Arbeitsvertrag mit fragwürdigem Inhalt

#11

von Breymja » Di 29. Mai 2018, 20:28

Ich dachte diese Arbeitszeitkonten wären mittlerweile verboten? oO

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Koelsch
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Re: Arbeitsvertrag mit fragwürdigem Inhalt

#12

von Koelsch » Di 29. Mai 2018, 20:30

Meines Wissens nein, die gibt's noch
Frei nach Hanns-Dieter Hüsch, ist der Kölner überhaupt zu allem unfähig. Er weiß nix, kann aber alles erklären.

Deshalb kann von mir keine Rechtsberatung erfolgen, auch nicht per e-mail oder PN.

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Re: Arbeitsvertrag mit fragwürdigem Inhalt

#13

von Breymja » Di 29. Mai 2018, 20:43

Dann liest man dieses Gerücht immer wieder zu Unrecht in Foren, die Anti-ZAF-Bewerbungen und Inhalte fürs Bewerbungsgespräch anbieten wollen oder ich habe mich verlesen.

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Re: Arbeitsvertrag mit fragwürdigem Inhalt

#14

von Koelsch » Di 29. Mai 2018, 20:48

https://www.haufe.de/personal/arbeitsre ... 45170.html

Haufe ist da schon eine sehr seriöse Adresse
Frei nach Hanns-Dieter Hüsch, ist der Kölner überhaupt zu allem unfähig. Er weiß nix, kann aber alles erklären.

Deshalb kann von mir keine Rechtsberatung erfolgen, auch nicht per e-mail oder PN.

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Re: Arbeitsvertrag mit fragwürdigem Inhalt

#15

von Breymja » Di 29. Mai 2018, 21:20

Bei denen lese ich immer wieder mal Infos zur Buchhaltung.

Wampe
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Re: Arbeitsvertrag mit fragwürdigem Inhalt

#16

von Wampe » Fr 15. Jun 2018, 23:27

angel6364 hat geschrieben:
Di 29. Mai 2018, 10:44
Ich stolpere halt vor allem darüber:

"Der Vorbehalt erstreckt sich auch auf eine Beschäftigung in einem anderen Betrieb oder bei einer Tochtergesellschaft der Firma."

Der AN hat doch einen Vertrag mit dieser Firma. Und für mich als Laiin liest sich das so, als könne diese Firma ihn einfach an andere Betriebe "weiterreichen".
Aber nur, wenn der andere Betrieb mit zum Unternehmen gehört, also nicht in Fremdbetriebe.
angel6364 hat geschrieben:
Di 29. Mai 2018, 10:44
und die Überstunden erst nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses ausgezahlt
Dann freut sich das JC.

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angel6364
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Re: Arbeitsvertrag mit fragwürdigem Inhalt

#17

von angel6364 » Fr 15. Jun 2018, 23:59

Wampe hat geschrieben:
Fr 15. Jun 2018, 23:27
angel6364 hat geschrieben:
Di 29. Mai 2018, 10:44
Ich stolpere halt vor allem darüber:

"Der Vorbehalt erstreckt sich auch auf eine Beschäftigung in einem anderen Betrieb oder bei einer Tochtergesellschaft der Firma."

Der AN hat doch einen Vertrag mit dieser Firma. Und für mich als Laiin liest sich das so, als könne diese Firma ihn einfach an andere Betriebe "weiterreichen".
Aber nur, wenn der andere Betrieb mit zum Unternehmen gehört, also nicht in Fremdbetriebe.
Der Satz ist zweideutig formuliert. Er hält durchaus zwei Optionen offen: 1. In einem anderen Betrieb; 2. In einer Tochtergesellschaft der Firma.
angel6364 hat geschrieben:
Di 29. Mai 2018, 10:44
und die Überstunden erst nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses ausgezahlt
Dann freut sich das JC.
[/quote]

So isses. Hab ich auch schon bitter erleben müssen. Aber in diesem Fall denke ich, dass bei Arbeitslosigkeit für einen Alleinstehenden kein ergänzendes Alg II nötig wäre. Also wäre ebentuell ein Monat nach der Arbeitslosigkeit Alg I-zahlungsfrei wegen der Überstunden, der Anspruch bliebe, freut sich das Arbeitsamt.
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Wampe
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Re: Arbeitsvertrag mit fragwürdigem Inhalt

#18

von Wampe » Sa 16. Jun 2018, 01:17

Kann man auch so lesen:
angel6364 hat geschrieben:
Di 29. Mai 2018, 10:44
"Der Vorbehalt erstreckt sich auch auf eine Beschäftigung in einem anderen Betrieb oder bei einer Tochtergesellschaft der Firma."
Ich geh auch davon aus, dass das so gemeint ist, denn für den Einsatz in einem fremden Betrieb wäre eine Erlaubnis nach § 1 AÜG notwendig.

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